Initiativkreis: Fünf Antithesen zur Rechtfertigungserklärung

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther, so wird berichtet, 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg. Am kommenden Sonntag, den 31. Oktober 1999, soll an historischer Stätte in Augsburg die „Gemeinsame Erklärung über die Rechtfertigungslehre“ (GE) von der katholischen Kirche und vom Lutherischen Weltbund unterzeichnet werden. Damit hofft man, die gegenseitigen Lehrverurteilungen des 16. Jahrhunderts aus dem Weg geräumt und einen „entscheidenden Schritt zur Überwindung der Kirchenspaltung“ (GE 44) getan zu haben. Viele Katholiken sehen das nicht so. Nach Auffassung des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg handelt es sich bei der sog. Gemeinsamen Erklärung eher um einen kirchenpolitischen Formelkompromiss als um einen entscheidenden theologischen Durchbruch.

Gewiss ist: Von der überwiegenden Zahl (243) evangelischer Hochschultheologen in Deutschland, denen in Fragen der evangelischen Theologie in gewisser Weise eine Art lehramtlicher Funktion zukommt, wird der differenzierte Konsens nicht rezipiert. Aber auch auf katholischer Seite gibt es weiterhin erhebliche, ja teilweise schwerwiegende Bedenken gegen die Unterschrift unter das gemeinsame Konsenspapier durch Kardinal Cassidy als Präsident des Rates für die Förderung der Einheit der Christen. In diesem Zusammenhang gibt der Initiativkreis für die Einordnung der „Gemeinsamen Erklärung“ zu bedenken, dass das Konsenspapier weder die Unterschrift von Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation noch die von Papst Johannes Paul II. tragen wird. Damit handelt es sich schon formal betrachtet nicht um eine lehramtliche Erklärung.

Als Katholiken fühlen wir uns, so stellt der Initiativkreis fest, dem II. Vatikanum verpflichtet: Danach ist die Sorge um „die Wiederherstellung der Einheit eine Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen wie auch der Hirten, und geht jeden an ...“ (UR 5). Für Katholiken gilt aber auch: keine Einheit ohne Wahrheit! Bei Glaubenswahrheiten darf es keine Kompromisse geben. So mahnt Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika „Ut unum sint“ (Nr. 18): „Die von Gott gewollte Einheit kann nur in der gemeinsamen Zustimmung zur Unversehrtheit des Inhalts des geoffenbarten Glaubens Wirklichkeit werden. Was den Glauben betrifft, steht der Kompromiss im Widerspruch zu Gott ,der die Wahrheit ist.“ Deshalb legt der Initiativkreis auf dem Hintergrund des sogenannten differenzierten Konsenses zur Rechtfertigungslehre folgende 5 Antithesen vor:

Antithese 1: Katholiken lehnen die protestantischen Prinzipien „sola scriptura“ (allein durch die Schrift), „sola fide“ (allein durch den Glauben) und „sola gratia“ (allein durch die Gnade) als gegen den Glauben gerichtet ab. (GE 8, 15, 19) Nicht „sola scriptura“, sondern Heilige Schrift und apostolische Überlieferung! Nicht „sola fide“, sondern Glaube, Liebe und Reue! Nicht „sola gratia“, sondern Gnade und Mitwirkung des Menschen!

Antithese 2: Katholiken bekennen im Gegensatz zu den Protestanten, dass das Bußsakrament für den Getauften, der schwer sündigt, zum Heil notwendig ist.

Antithese 3: Katholiken lehnen die Lehre der Lutheraner ab, wonach der rechtfertigende Glaube ein bloßes Vertrauen des Menschen auf Gott, den Schöpfer und Erlöser, (Fiduzialglaube), ist (GE 31, 35). Vielmehr ist der rechtfertigende Glaube Glaubensakt und Glaubensinhalt zugleich (fides quae et fides qua creditur). Wer Dogmen der Kirche leugnet, verliert die Rechtfertigung.

Antithese 4: Katholiken lehnen die Auffassung der Protestanten ab, wonach die Begierlichkeit (Konkupiszenz), die im Gerechtfertigten nach der Taufe bleibt, „wahrhaft Sünde“ (GE 29) ist. Sie stammt vielmehr aus der Sünde und macht zur Sünde geneigt.

Antithese 5: Katholiken lehnen die Auffassung der Protestanten ab, Gott würde dem Christen rein äußerlich „die Gerechtigkeit Christi zusprechen“ (GE 29) und dem Sünder seine Sünde bloß nicht anrechnen (GE 22). Vielmehr wird der Gerechtfertigte von aller Sünde befreit und in ein neues „Sein in Christus“, in den Stand der Gnade, erhoben. Der Christ ist nicht „zugleich Gerechter und Sünder“ (simul iustus et peccator) (GE 29), wie die Lutheraner sagen, sondern entweder im Stand der Gnade oder im Stand der schweren Sünde.

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„Abendmahlsgemeinschaft“ zwischen Katholiken und Protestanten auch nach Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre nicht möglich

Eine „Abendmahlsgemeinschaft“ von Katholiken und Protestanten kann es, so der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg, auch nach Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung (GE) zur Rechtfertigungslehre am 31. Oktober 1999 in Augsburg nicht geben. Dafür reicht der zwischen katholischer Kirche und dem Lutherischem Weltbund erreichte vermeintliche Konsens in der Rechtfertigungslehre in keiner Weise aus. Aus diesem Grund ist auch die Forderung des leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands Christian Knuth, Schleswig, nach einer solchen Abendmahlsgemeinschaft zurückzuweisen.

Tatsache ist, dass sich zum Beispiel der eucharistische Glaube in der katholischen Kirche von dem des lutherischen Verständnisses vom Abendmahl immer noch grundlegend unterscheidet. Nach katholischem Glauben ist Jesus Christus im Sakrament der Eucharistie „wahrhaft, wirklich und wesenhaft“ gegenwärtig. Dies und die Lehre vom Messopfer wird von den Lutheranern abgelehnt. Auch das Amtsverständnis differiert weiterhin grundsätzlich.

So fehlen unter anderem dem Bischofsamt bei den evangelisch-lutherischen Gemeinschaften nach katholischer, aber auch nach orthodoxer Auffassung die wesentlichen Merkmale, wie die der apostolischen Sukzession und der Sakramentalität der Weihe. Nach der Lehre des II. Vatikanischen Konzils haben die von der katholischen Kirche getrennten reformatorischen kirchlichen Gemeinschaften „wegen des Fehlens des Weihesakraments die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt“ (Unitatis redintegratio 22). Deshalb ist auch Bischof Knuth nach katholischem Glauben kein gültig geweihter Bischof und seine Forderung nach „Abendmahlsgemeinschaft“ theologisch wie sakramental unrealistisch.

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Scheinberatung mit Frist – Gläubige müssen Mitfinanzierung von „Donum vitae“ aus Kirchensteuermitteln nicht hinnehmen

Erneut bittet der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg Erzbischof Dr. Ludwig Averkamp dringlich, dem Willen von Papst Johannes Paul II. schnell zu folgen und im Erzbistum Hamburg von den katholischen Beratungsstellen nicht länger Beratungsscheine im Sinne des Schwangerschaftskonfliktgesetzes ausstellen zu lassen. Die Frist für den Ausstieg aus dem Schein hat der Papst selbst gesetzt. So bittet er in seinem Brief vom 3. Juni 1999 die deutschen Bischöfe „um der Würde des Lebens und der Klarheit des kirchlichen Zeugnisses willen meine Einscheidung in der Frage einmütig anzunehmen und innerhalb dieses Jahres in die Praxis umzusetzen“. Die Frist läuft also am 31. Dezember 1999 aus.

Für einen katholischen Christen besitzt der Papst als Haupt des Bischofskollegiums die „höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt, die er immer frei ausüben kann“ (Kanon 331 CIC; vgl. Lumen gentium 22). So übt der Papst nach der Lehre der beiden Vatikanischen Konzilien den Primat in der Kirchenleitung aus, den er „sowohl über alle und die einzelnen Kirchen (d.h. Diözesen) als auch über alle und die einzelnen Hirten und Gläubigen“ ausüben kann (Denzinger Hünermann 3064; vgl. auch Lumen gentium 18, Kanon 333 CIC). Bei der Lehre, dass der Papst jederzeit unmittelbar in die Leitung eines Bistums eingreifen kann, handelt es sich um einen definierten Glaubenssatz. Konkret bedeutet das: jeder Gläubige und jedes Bistum hat zwei übergeordnete Stufen der Hierarchie, und zwar den amtierenden Ortsbischof und den Papst, wobei letzterer einen „Vorrang ordentlicher Gewalt“ besitzt.

Ein Fortsetzen der Schwangerenkonfliktberatung mit Schein für eine straffreie Abtreibung im katholischen Raum gegen den Willen Papstes ist deshalb nicht möglich, es sei denn, man stellt sich damit ganz bewusst in Gegensatz zur Kirche und damit möglicherweise auch außerhalb der Kirche. Denn das Papstwort bindet nicht nur die Bischöfe im Gehorsam, sondern auch jeden einzelnen katholischen Christen. Und noch mehr als dem eigenen Bischof sind die Gläubigen dem Papst zu Gehorsam verpflichtet.

Dies gilt auch für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und sein Stiftungsprojekt „Donum vitae“, über das die Beratung mit Schein offensichtlich auf Umwegen in katholischer Trägerschaft fortgesetzt werden soll. In diesem Zusammenhang warnt der Initiativkreis davor, die Stiftung, in welcher Form auch immer, also mittelbar oder unmittelbar aus Kirchensteuern mitzufinanzieren. Sollte dennoch eine Unterstützung für die vom ZdK geplante Stiftung „Donum vitae“ aus Kirchensteuermittel erfolgen, so ist damit zu rechnen, dass Gläubige vor dem kirchlichen Gericht gegen die Verpflichtung zur Zahlung ihrer Kirchensteuern klagen werden. Der Initiativkreis ist davon überzeugt, dass sie Recht bekommen – spätestens jedoch beim obersten Gerichtshof der Kirche in Rom, der Apostolischen Signatur.

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Kein Vorbild für die katholische Kirche

Mit Entschiedenheit weist der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg die Kritik des EKD-Ratsvorsitzenden Kock an der Entscheidung von Papst Johannes Paul II. zurück, bei der katholischen Schwangerenkonfliktberatung in Deutschland keine Scheine mehr ausstellen zu lassen, so fern sie der straffreien Abtreibung dienen können. Auch steht Kock keine Kritik an der innerkatholischen Entscheidungsstruktur zu. So hatte der EKD-Ratsvorsitzende im WDR kritisiert, dass eine Entscheidung der „örtlichen Bischöfe“ sinnvoller gewesen wäre, anstatt dass „man das irgendwo zentral und abstrakt regelt“.

Nach Auffassung des Initiativkreises Hamburg ist der deutsche Protestantismus auf dem Hintergrund der letzten 70 Jahre in ethischen und gesellschaftlichen Fragen ein denkbar schlechter Ratgeber für die katholische Kirche. Erinnert sei in diesem Zusammenhang ganz bewusst an die sog. Deutschen Christen im Dritten Reich oder an das, was man in der untergegangenen DDR protestantischerseits „Kirche im Sozialismus“ nannte. System- und gesellschaftsbezogene Anpassungsversuche sind Christen noch nie gut bekommen. Dies gilt nicht minder für unsere Zeit.

Dagegen kommen Kock und die EKD offenbar mit der Schwangerenkonfliktberatung nach den Vorgaben des Gesetzes gut zurecht, was ganz dem Zeitgeist in Deutschland entspricht. Das unterscheidet ihn und den offiziellen Protestantismus in der Grundhaltung von den deutschen Bischöfen, die zwar um praktikable Lösungen mit Rom gerungen und gestritten haben, die aber im Grundsatz mit dem Papst übereinstimmen.

Für das Erzbistum Hamburg fordert der Initiativkreis eine schnelle Umsetzung des Papstbeschlusses. Und dies um so mehr, als die immer wieder betonten Erfolge bei der Konfliktberatung mit Schein ganz offensichtlich nur virtueller Art sind.

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Der Sonderweg der Deutschen Bischofskonferenz am Rande der Weltkirche muss ein Ende haben

In einer Anzeigenaktion haben die zwischen München und Hamburg in 18 Bistümern vertretenen „Initiativkreise katholischer Laien und Priester“ an die deutschen Bischöfe appelliert, der Weisung des Papstes zur Schwangerenberatung nicht nur dem Wortlaut, sondern auch dem Sinn nach zu folgen. Das heißt: Sollte die neu formulierte Beratungsbescheinigung trotz ihres Wortlautes zur straflosen Tötung ungeborener Kinder benutzt werden können, darf überhaupt keine Bescheinigung ausgestellt werden. Das Trennen von rechtlicher und moralischer Bewertung ist verhängnisvoll für die Glaubwürdigkeit der Kirche.

In diesem Sinne weist auch der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg die gegenüber der Presse geäußerte Feststellung von Erzbischof Dr. Ludwig Averkamp zurück, der von Papst Johannes Paul II. geforderte Zusatz „Dieser Schein kann nicht zur Durchführung straffreier Abtreibungen benutzt werden“ sei ein „ethischer Appell“ und aus Sicht der Kirche keine rechtlich relevante Formulierung.

Im Schreiben des Papstes vom 3. Juni 1999 heißt es dagegen u. a. wörtlich und dezidiert: „Damit die rechtliche und moralische Qualität dieses Dokumentes unzweideutig wird, ersuche ich Euch, im Text klarzustellen, dass der Schein ... nicht zur Durchführung straffreier Abtreibungen gemäß StGB 218a (1) verwendet werden kann.“ Im Kommentar des Staatssekretariats vom 3. Juni 1999 heißt es u. a. ergänzend: „Damit die Verwendung des Scheins als Zugang zur Abtreibung nicht möglich ist, ordnet der Heilige Vater an ...“

Damit ist eindeutig, dass der künftige von den Beratungsstellen ausgestellte Schein ausschließlich ein innerkirchlicher Schein ist, mit dem sich die Schwangere das Recht auf die Inanspruchnahme kirchlicher Hilfsangebote sichert, und zwar nicht mehr und nicht weniger. Die Benutzung dieses Scheines zur Vorlage beim Arzt für eine straffreie Kindstötung im Sinne des Gesetzes wäre nach Auffassung des Initiativkreises nichts anderes als ein unerträglicher Missbrauch. Dies kann die Kirche niemals dulden.

Um so mehr bedauert der Initiativkreis die Äußerung von Erzbischof Averkamp vom Scheinzusatz als ethischen Appell ohne rechtliche Relevanz. Damit hat der Erzbischof dem Missbrauch des Beratungsscheines schon jetzt nicht nur ungewollt Vorschub geleistet, sondern auch der Glaubwürdigkeit der Kirche einen schlechten Dienst erwiesen.

Der Initiativkreis fordert von Erzbischof Averkamp, entweder auf die Ausstellung des Scheins zu verzichten und ihn durch andere Formen des innerkirchlichen Beratungsnachweises zu ersetzen oder jeden im Erzbistum Hamburg von katholischen Beratungsstellen ausgestellten Schein persönlich zu unterschreiben, damit auch die nachfolgenden Generationen an der ganz persönlichen erzbischöflichen Verantwortlichkeit keinen historischen Zweifel haben.

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Primiz im klassischen römischen Ritus

Mit Zustimmung S. E. Erzbischof Dr. Averkamp feiert Abbé Michael K. Wiener vom Institut Christus König und Hoherpriester in Gricigliano bei Florenz seine Heimatprimiz in Hamburg. Die Priesterweihe selbst wurde dem in der Hansestadt aufgewachsenen Neupriester am 30. Juni 1999 in Grizigliano vom Bischof von La Crosse in Wisconsin, USA, Msgr. Dr. Raymond Burke, gespendet. Die Heimatprimiz findet im klassischen römischen Ritus am Sonntag, den 11. Juli 1999, um 16.00 Uhr in Kirche St. Joseph, Große Freiheit 43, in Hamburg-Altona statt.

Abbé Wiener wurde 1961 in Hamburg geboren. Nach seinem Abitur am Gymnasium Hochrad in Othmarschen nahm der Spätberufene zunächst ein juristisches Studium auf, das er 1985 durch einen schweren Verkehrsunfall für längere Zeit unterbrechen musste. 1993 konnte er sein Studium mit dem 2. Juristischen Staatsexamen abschließen.

Den Weg in die Kirche fand der Neupriester im März 1986 durch die hl. Taufe. 1994 trat er in das Institut Christus König und Hoherpriester ein. Das 1990 gegründete Institut bildet wie die Priesterbruderschaft St. Petrus weltweit Priester ausschließlich im so genannten tridentinischen Ritus aus. Grundlage für die Messfeier im alten Ritus ist das 1988 von Papst Johannes Paul II. erlassene Motu Proprio „Ecclesia Dei“.

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