Verhütungsmittelkoffer als „Geschenk“ vom Hamburger Erzbischof

Wie aus einem Protokoll der Mitgliederversammlung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) Hamburg-Altona vom 13.09.2000 hervorgeht, hat der Erzbischof von Hamburg, Dr. Ludwig Averkamp, „als Dankeschön allen Beratungsstellen einen Verhütungsmittelkoffer für die Präventionsarbeit geschenkt“. Weiter heißt es dazu im Protokoll: „Interessierte können ihn sich gern in der Beratungsstelle ansehen“.

Die Katholische Presse- und Informationsstelle des Erzbistums Hamburg (kpi) erklärte zu diesem Vorgang auf Nachfrage, dass der Koffer „über den Diözesancaritasverband als Impuls für eine Verstärkung der präventiven Arbeit der Beratungsstellen im Erzbistum angeschafft und den Beratungsstellen unter Hinweis auf die Neuordnung der Beratungsstellen geschenkt“ worden ist. Eigens „wurde darauf hingewiesen, dass dieses ‚Geschenk‘ im Einvernehmen mit dem Erzbischof erfolgt“ ist.

Der Initiativkreis katholischer Laien und Priester im Erzbistum Hamburg kritisiert diesen Vorgang als einen Akt, der mit der Lehre des Papstes und damit der Kirche unvereinbar ist. So schreibt Johannes Paul II in seiner Enzyklika „Evangelium vitae“ (1995):

„Es wird häufig behauptet, die sichere und allen zugänglich gemachte Empfängnisverhütung sei das wirksamste Mittel gegen die Abtreibung. Sodann wird die katholische Kirche beschuldigt, de facto der Abtreibung Vorschub zu leisten, weil sie weiter hartnäckig die moralische Unerlaubtheit der Empfängnisverhütung lehrt. Bei genauerer Betrachtung erweist sich der Einwand tatsächlich als trügerisch. Denn es mag sein, dass viele auch in der Absicht zu Verhütungsmitteln greifen, um in der Folge die Versuchung der Abtreibung zu vermeiden. Doch die der ‚Verhütungsmentalität‘ … innewohnenden Pseudowerte verstärken nur noch diese Versuchung angesichts der möglichen Empfängnis eines unerwünschten Lebens. In der Tat hat sich die Abtreibungskultur gerade in Kreisen besonders entwickelt, die die Lehre der Kirche über die Empfängnisverhütung ablehnen (Nr. 13).“

Der Hamburger Initiativkreis fordert den Hamburger Erzbischof auf, dieses „Geschenk“ zurückzuziehen und den SkF dazu zu verpflichten, die katholische Beratung gemäß der Lehre der Gesamtkirche durchzuführen.

Nach dem „Katechismus der Katholischen Kirche“ (KKK) ist die Praxis der Empfängnisverhütung in jedem Fall als „verwerflich“ (Nr. 2370) zu brandmarken. Bereits Papst Paul VI. lehrte in „Humanae vitae“, dass „jeder eheliche Akt offen bleiben muss für die Weitergabe des Lebens“ (Nr. 11). Und er legte den Priestern – und damit auch den Bischöfen „an der Spitze der Priester“ (Nr. 30) – die Pflicht auf, „ohne Zweideutigkeiten die Lehre der Kirche über die Ehe darzulegen … [und] das Beispiel eines inneren und äußeren loyalen Gehorsams gegenüber dem Lehramt der Kirche“ zu geben (Nr. 28).

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Kein Bedarf für „Donum Vitae“ in Hamburg – Initiativkreis kritisiert Weihbischof Jaschke

Die Weisung von Papst Johannes Paul II. an die deutschen Bischöfe, künftig keine Beratungsscheine mehr nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz von katholischen Beratungsstellen ausstellen zu lassen, gilt nach Auffassung des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg (IK Hamburg) uneingeschränkt auch für katholische Laien. Deshalb sei auch die Gründung von „Donum Vitae“ als Verein nach bürgerlichen Recht unter der Regie katholischer Laien abzulehnen.

Katholiken operierten, so der IK Hamburg, auch dann nicht in einem kirchenrechtsfreien Raum, wenn sie sich nach staatlichem Recht organisieren. So hätten sich die Gläubigen auch beim Gebrauch ihrer bürgerlichen Freiheiten nach dem vom Lehramt der Kirche vorgelegten Lehre zu richten (can. 227 CIC). Dazu gehöre ebenso die Pflicht, Anordnungen des Papstes oder der Diözesanbischöfe mit christlichem Gehorsam zu befolgen (can. 212 § 1 CIC).

Unabhängig von der strikt abzulehnenden Situationsethik, die sich mit dem Beratungsschein als Lizenz für eine straffreie Abtreibung verbinde, könnten auch die bisherigen Beratungszahlen in Hamburg nicht die Gründung von Donum Vitae als Ersatzeinrichtung rechtfertigen. Nach Einschätzung der Hamburger Sozialbehörde hätten nicht einmal ein Prozent der schwangeren Frauen in Hamburg in Konfliktsituationen eine katholische Beratungsstelle aufgesucht. Statt also einen echten Bedarf abdecken zu können, so erklärt der IK Hamburg, gehe es bei der Gründung von Donum Vitae auch in Hamburg vor allem um antirömische Affekte, die insbesondere einige katholische Bürgerschaftsabgeordnete offensichtlich politisch nutzen wollten.

Mit Verwunderung habe der IK Hamburg in diesem Zusammenhang zur Kenntnis genommen, dass Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke nach einem Bericht des Hamburger Abendblatt dem Hamburger Donum-Vitae-Ableger Respekt zolle, obwohl es ein klares Ziel dieser Laien-Initiative sei, die bindenden Worte des Papstes in der Beratungscheinfrage bewusst zu unterlaufen. Weihbischof Jaschke müsse sich fragen lassen, wie man einerseits Respekt vor der Entscheidung des Papstes, andrerseits auch Respekt vor einem Verein haben kann, der das Gegenteil wolle. Bei so viel antagonistischem Respekt stehe zu befürchten, dass am Ende niemand mehr wisse, wie ernst das mit dem Respekt wem gegenüber wirklich gemeint sei.

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Nicht der Papst, sondern Bischof Lehmann sollte zurücktreten

Mit Nachdruck weist der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg (IK Hamburg) alle Überlegungen Dritter zu einem Rücktritt Papst Johannes Paul II. vom Petrusamt der Kirche, z. B. aus Altersgründen, zurück. Geradezu empörend sei es, dass nun solche Überlegungen vom Mainzer Bischof Karl Lehmann als Vorsitzendem der Deutschen Bischofskonferenz in einem Interview mit dem Deutschlandfunk ausgestreut worden sind.

Nicht Lehmann, sondern Papst Johannes Paul II. begeistere die katholische Christenheit und finde Anerkennung in der internationalen Öffentlichkeit. Nicht die moraltheologischen Winkelzüge von Bischöfen, sondern das Charisma, die geistige Vitalität dieses Papstes trotz seines hohem Alters und seine Liebe zu den Menschen beeindruckten tatsächlich die Menschen.

Die Klage von Bischof Lehmann, seine Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen und „in nicht zu verantwortender Art und Weise“ verfälscht worden, fällt nach Auffassung des IK Hamburg auf den Bischof selbst zurück. So hatte Lehmann noch im Juni des vergangenen Jahres in Zusammenhang mit dem ablehnenden Schreiben des Papstes zur Beteiligung der katholischen Kirche in Deutschland an der Scheinvergabe im Rahmen der Schwangerschaftskonflikt-Beratung sinngemäß erklärt, er habe gelernt, mit Texten umzugehen. Der Sinn des Papstbriefes sei dabei von ihm komplett verdreht worden.

Nun beklage sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz über eine vermeintliche Missinterpretation seiner Äußerung, an der es jedoch im Wortlaut nichts zu deuteln gebe. Der Mainzer Bischof, der sich sonst so gern im Schweinwerferlicht der Öffentlichkeit bewege, fühle sich nun offensichtlich falsch oder vielleicht auch zu sehr ausgeleuchtet, konstatierte der IK Hamburg.

Die gegenwärtigen Äußerungen unterstrichen jedoch wieder einmal die mehr als subtile Distanz, die Lehmann zu Papst Johannes Paul II. habe. Dabei wäre weit mehr Distanz des Vorsitzenden der Bischofskonferenz gegenüber der Politik und ihren Repräsentanten in Deutschland in der Vergangenheit vonnöten gewesen. Nicht der Rücktritt des Papstes sei deshalb zu diskutieren, sondern eher der Rückritt Lehmanns.

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