Klaus Berger vor dem Hamburger Initiativkreis
Jesus – ein „harmloses religiöses Gefühl“?

Was ihn von Luther unterscheidet? „Er ist Augustiner, und ich bin Zisterzienser.“ Der bekannte katholische Exeget, Prof. Dr. Klaus Berger, Ordinarius an der Evangelischen Fakultät der Universität Heidelberg referierte am vergangenen Freitag vor dem „Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg“. Bei seinem Vortrag „Zur Situation der katholischen Kirche in Deutschland“ betonte der Neutestamentler in Anwesenheit von Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke, man könne Luther nur verstehen, wenn man das monastische Leben kenne. So könne die Einheit der Kirche nur aus einer „innerkirchlichen Reform“ entstehen, bei der die innerkirchliche Spiritualität neu entdeckt werden müsse.

Die derzeitige Glaubenskrise führt Berger wesentlich auf einen ideologischen Missbrauch der Exegese zurück, bei der man die Bibelkritik zum Instrument der Kirchenkritik gemacht habe. Diese dürfe geübt werden, jedoch nicht auf Kosten des Wortes Gottes. Einen Ausweg sieht Berger zum einen darin, dass die Gläubigen lernen, Ideologien zu durchschauen. Zum anderen müsse sich der Bereich der Mystik in der Kirche emanzipieren – und dazu gehörten neben Jungfrauengeburt und Auferstehung auch Engel und Teufel, die immer öfter geleugnet werden.

Berger beklagte, in der liberalen Exegese werde immer unterschieden zwischen „Jesus, der ziemlich harmlos und ein religiöses Genie war, aber immer nett“ sowie der Kirche auf der anderen Seite. Die katholische Kirche sei durch Esoteriker in ihrer Funktion beraubt worden, weil sie ihren Charakter als Religion aufgegeben habe und nunmehr eine „aufgeklärte allgemeine Humanität“ übe. Das christliche Selbstverständnis sieht Berger darin nicht verwirklicht: „Religion hat etwas damit zu tun, dass man nächtelang auf den Knien liegt, dass man mit Kerzen und Weihrauch aufwächst.“

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