Hamburgs Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke in die Disziplin nehmen

Entschieden weist der Initiativkreis katholischer Laien und Priester im Erzbistum Hamburg (IK) die Kritik des Hamburger Weihbischofs, Dr. Hans-Jochen Jaschke, am Dokument der Glaubenkongregation vom 10.07.2007 über das „Kirchesein“ zurück. Offensichtlich habe es sich der Weihbischof zur Gewohnheit gemacht, päpstliche Dokumente mit der Begründung zu kritisieren, sie schadeten der Ökumene, statt sie zu verteidigen und zu verkünden. „Tatsächlich ist es bis heute in der Ökumene mit den Protestanten nicht einmal gelungen“ - so stellt der IK fest -, „gemeinsam das Kreuzzeichen zu machen. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch an die zeitgeistig vertretenen moraltheologischen Positionen zur Homosexualität der Hamburger evangelisch-lutherischen Landesbischöfin Maria Jepsen, die in die ökumenische Sackgasse führen.“

Es ist aber nicht nur der Ton des Dokuments, der Jaschke missfällt („Das Wort aus Rom hat böse Verletzungen bewirkt.“), der Weihbischof teilt offensichtlich auch nicht die Position des Papstes von der katholischen Kirche als „Kirche Christi“ , wenn er im Hamburger Abendblatt vom 21.07.2007 schreibt, dass alle erst lernen müssten, „Kirche Christi in der Welt zu werden“. Und in einem Interview mit den „Lübecker Nachrichten“ vom 21.07.2007 schreibt der Ratzinger-Schüler Papst Benedikt XVI. quasi ins Stammbuch, dass die römische Verlautbarung „in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt nicht notwendig“ war und die sachlichen ökumenischen Bemühungen erschwere.

In einem Schreiben hat nun der Initiativkreis den Erzbischof von Hamburg, Dr. Werner Thissen, gebeten, Weihbischof Jaschke stärker in die innerkirchliche Disziplin zu nehmen. So wenig wie der Weihbischof ihn als Erzbischof unbeschadet öffentlich ins kritische Visier nehmen könne, so wenig könne er dies auch mit dem Bischof von Rom als oberstem Hirten der Universalkirche tun.

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Hamburger Erklärung gegen „Kuschel-Ökumene“

Viele ökumenische Bemühungen sind im Laufe der Jahre zu einer unverbindlichen gesellschaftlichen Begegnung ohne aufrichtigen interkonfessionellen Dialog degeneriert, bei denen die unterschiedlichen Glaubensauffassungen der Konfessionen ernst genommen werden. Mit Blick auf die diesjährige 34. St.-Ansgar-Woche veröffentlicht der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg daher folgende Erklärung. Hierbei wird Bezug genommen auf die Ansprache von Erzbischof Dr. Werner Thissen bei der 42. Ansgar-Vesper 2006 in der evangelischen Hauptkirche St. Petri, Hamburg. Dem Initiativkreis drängt sich der Eindruck auf, dass bei dieser Ansprache wie bei vielen anderen ökumenischen Veranstaltungen eine ökumenische Einheit vorgegaukelt wird, die aus katholischer Sicht so nicht gegeben ist.

1. Die „evangelische Kirche“ ist nach katholischer Lehre keine „Kirche“.

In seiner Ansprache 2006 bezeichnete Erzbischof Thissen die katholische Kirche und die sogenannte „evangelische Kirche“ als „getrennte Kirchen“. Diese Redeweise gibt nach Überzeugung des Initiativkreises nicht die katholische Lehre wieder. Der Begriff „Kirche“ setzt gemäß der Erklärung der römischen Kongregation für die Glaubenslehre vom 30.06.2000 voraus, dass es in der betreffenden Gemeinschaft „den gültigen Episkopat und die gültige Eucharistie“, d. h. ein gültiges Bischofsamt und ein gültiges Messopfer gibt. Beides ist gemäß der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) in den durch die Reformation von uns getrennten kirchlichen Gemeinschaften nicht vorhanden (vgl. UR 22).

Das heißt: „Bischöfin“ Jepsen ist nach katholischer Lehre keine Bischöfin; beim evangelischen Abendmahl empfängt man nicht den Leib und das Blut Christi, und die so genannte „evangelische Kirche“ ist nach katholischer Lehre keine Kirche. Hingegen ist Erzbischof Thissen aufgrund seiner gültigen Bischofsweihe ein legitimer Nachfolger der Apostel, und die katholische Eucharistie ist wahrhaft, wirklich und wesenhaft Jesus Christus mit Gottheit und Menschheit, Leib und Seele, Fleisch und Blut.

2. Die katholische Kirche ist in Bezug auf die Gnaden und die Glaubenswahrheiten ein „reiner Fluss“.

Erzbischof Thissen vergleicht die verschiedenen christlichen Konfessionen mit unterschiedlichen Flussarmen. Wörtlich sagt er u.a: „In jedem Fluss gibt es auch andere Zuflüsse, die nicht vom Dreifaltigen Gott kommen: andere Einflüsse, Einflüsse von Macht, Einflüsse von Egoismus, Einflüsse von Eigensinn. Es ist auch von trüben Quellen in jedem Fluss etwas zugeflossen.“ Ist dies nur ein Bild, mit dem vom Erzbischof ein Meditationsimpuls gegeben werden sollte oder gar eine doktrinäre Aussage, mit der der Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche eher relativiert werden soll?

Es ist keine Frage, dass auch katholische Amtsträger Schuld auf sich laden können und die Kirche auch eine Kirche der Sünder ist. Dennoch ist die Kirche zugleich heilig, ist doch der katholischen Kirche nach der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils die „Fülle der Gnade und Wahrheit“ anvertraut, und „nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, kann man Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben“ (UR 3).

In der Dogmatischen Konstitution über die Kirche bekräftigt das Zweite Vatikanische Konzil weiter: „Darum könnten jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollten.“ (LG 14)

Nach dieser Lehre gilt gemäß katholischem Selbstverständnis: Wo immer die aus der Reformation hervorgegangenen kirchlichen Gemeinschaften in definierten Glaubensfragen von der katholischen Kirche abweichen, befinden sie sich im Irrtum. Um im Bild von Erzbischof Thissen zu bleiben: Die katholische Kirche ist in Bezug auf die Gnaden und die Glaubenswahrheiten ein „reiner Fluss“. Wo hingegen die Sakramente der Buße, der Firmung, der Krankensalbung, der Ehe und der Priesterweihe verloren gegangen sind, hat die Fülle der Gnade, der Wahrheit und der Heilsmittel immensen Schaden erlitten und ist dort und nur noch rudimentär vorhanden.

3. Es geht bei der Ökumene nicht um „unterschiedliche Frömmigkeitsformen“, sondern um einen „unterschiedlichen Glauben“.

Erzbischof Thissen erweckt den Eindruck, als ob es bei den konfessionellen Unterschieden im Wesentlichen um „unterschiedliche Frömmigkeitsformen“ gehe und nicht um unterschiedliche Glaubenslehren. Und verständlicherweise ruft er dazu auf, „die unterschiedlichen Frömmigkeitsformen der Kirchen in sich zu versöhnen“.

Es steht aber außer Zweifel, dass es unterschiedliche Frömmigkeitsformen in der Kirche geben darf. Das katholische Kirchenrecht hat das Recht auf den „eigenen Ritus“ und die „eigene Form des geistlichen Lebens“ im Grundrechtskatalog der Katholiken festgeschrieben (c. 214 CIC). Dies steht auch in Bezug auf die Ökumene überhaupt nicht in Frage. Solange eine Frömmigkeitsform mit der katholischen Glaubenslehre übereinstimmt, ist sie legitim.

Indem Erzbischof Thissen ökumenische Fragen auf „unterschiedliche Frömmigkeitsformen“ reduziert, blendet er nicht unerheblich die kirchentrennenden Glaubensunterschiede zwischen der katholischen Kirche und den sogenannten „evangelischen Kirchen“ aus. Damit ist für die Ökumene aber nichts gewonnen.

4. Bei der Ökumene darf es keinen „Kompromiss“ in Glaubensfragen geben.

Es hilft in der Ökumene nicht weiter, wenn versucht wird, den Eindruck von Einheit zu erwecken, die tatsächlich nicht vorhanden ist. Denn eine Einheit kann keine gefühlte „Kuschel-Einheit“ sein, sondern muss eine solide Einheit im Glauben sein. „Kuschel-Ökumene“ ist Augenwischerei. Nach den Worten der großen Ökumene-Enzyklika von Papst Johannes Paul II. gilt: „Die von Gott gewollte Einheit kann nur in der gemeinsamen Zustimmung zur Unversehrtheit des Inhalts des geoffenbarten Glaubens Wirklichkeit werden. Was den Glauben betrifft, steht der Kompromiss im Widerspruch zu Gott, der die Wahrheit ist … Ein ‚Miteinander’, das die Wahrheit verraten würde, stünde daher im Gegensatz zum Wesen Gottes, der seine Gemeinschaft anbietet, und zum Wahrheitsbedürfnis, das tief in jedem Menschenherzen wohnt.“ (Ut unum sint 18)

In diesem Sinne setzt sich der Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Erzdiözese Hamburg für ökumenische Bemühungen ein, die katholischerseits in dem Bewusstsein geführt werden müssen, dass der katholischen Kirche die „Fülle der Gnade und Wahrheit“ anvertraut ist und man „nur durch die katholische Kirche Christi, die das allgemeine Hilfsmittel des Heiles ist, … Zutritt zu der ganzen Fülle der Heilsmittel haben“ (UR 3) kann.

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