Initiativkreis empfiehlt Kirchenaustritt als Mittel zur Disziplinierung kirchlichen Ungehorsams

Der Initiativkreis katholischer Laien und Priester im Erzbistum Hamburg ist Papst Benedikt XVI. dankbar für die Entscheidung, den so genannten „Austritt aus der Kirche“, und zwar im Gegensatz zu den deutschen Bischöfen, nicht automatisch als eine innere Abwendung von der Kirche zu betrachten, was stets die automatisch eintretende Exkommunikation nach sich zöge. Nach dem römischen Schreiben an die Deutsche Bischofskonferenz vom 13.03.2006 unterliegt der sog. Kirchenaustritt eines Gläubigen vielmehr einer Einzelprüfung durch den Ortsbischof bzw. durch den Ortspfarrer, die sich daran zu orientieren hat, ob sich mit dem „Austritt“ ein Akt der Apostasie (d. h. des völligen Abfalls vom Glauben), der Häresie (d. h. der Irrlehre) oder des Schismas (d. h. der Kirchenspaltung) verbindet. Wer vor dem Staat seinen Austritt aus der katholischen Kirche erklärt und dabei weder den Glauben als Ganzes ablegt oder einzelne Glaubenslehren bestreitet noch sich von der Gemeinschaft der Kirche trennen will, braucht keine Kirchensteuern mehr bezahlen, bleibt aber lebendiges Glied der katholischen Kirche. Diese bedeutende Nachricht aus Rom ist von den meisten Gläubigen noch überhaupt nicht wahrgenommen worden. Man darf also ggf. Kirchensteuern verweigern und behält trotzdem seine Rechte als Katholik.

Der Initiativkreis katholischer Laien und Priester erwägt, den Gläubigen den zivilrechtlichen Schritt des „Kirchenaustritts“ zu empfehlen, jedoch keineswegs, um der katholischen Kirche den Rücken zu kehren, sondern ganz im Gegenteil: um dem Erzbistum Hamburg durch die Drosselung seiner Finanzmittel zu helfen, sich auf ihren wirklichen Auftrag zu besinnen und im Gehorsam gegenüber dem Papst zur gesamtkirchlichen Ordnung umzukehren.

Der Kirchenaustritt, d. h. der Austritt aus der Kirche in ihrer bürgerlichrechtlichen Konstruktion als einer „Körperschaft öffentlichen Rechts“ ist nur die Ultima ratio. Die Empfehlung des Initiativkreises katholischer Laien und Priester im Erzbistum Hamburg, diesen Schritt unter Umständen zu vollziehen, stellt keine Verweigerung der Solidargemeinschaft der Kirche dar. Im Gegenteil: Mit diesem Schritt können die Gläubigen sogar der Kirche dienen.

Denn die Amtsträger der Kirche sind – insbesondere nach dem Verständnis des Zweiten Vatikanum – keine Herrscher, sie üben vielmehr ein Dienstamt aus. Amtspflichten ausüben heißt aber nichts anderes als Dienstpflichten gegenüber den Gläubigen wahrnehmen. Zu diesen Dienstpflichten gehört u.a. eine treu nach den liturgischen Vorgaben der Kirche gefeierte Liturgie, wie sie auch das Zweite Vatikanische Konzil uneingeschränkt verlangt. Danach „darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern“ (SC 22 § 3). Die Bischöfe sind von dieser Vorgabe nicht ausgenommen. Als oberste Liturgen in ihren Bistümern obliegt es ihnen, diese Norm durchzusetzen. Nach Überzeugung des Initiativkreises heißt das: das Zweite Vatikanum anerkennen, insbesondere auch dieses Konstitutivum beachten und respektieren.

Tatsächlich erleben die Gläubigen in den Eucharistiefeiern immer wieder schwere liturgische Missbräuche und eine völlige Ignoranz gegenüber der nachkonziliaren liturgischen Gesetzgebung. Vielfältige Eingaben von Gläubigen beim Hamburger Erzbischof, auf die Priester einzuwirken, die liturgischen Missbräuche abzustellen, sind grundsätzlich ins Leere gegangen. So stellt sich die Situation inzwischen eher schwieriger dar als vor dem Amtsantritt von Erzbischof Dr. Werner Thissen vor rund sechs Jahren.

Wenn wir erwägen zu empfehlen, gegenüber dem Staat den Austritt aus der katholischen Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechts zu erklären, ist es nicht das Ziel, mit dem Verweigern der Kirchensteuer Geld einzusparen, sondern dieses Geld konstruktiv und nachweisbar der Kirche an anderer Stelle zuzuwenden. Dies kann zum Beispiel in Form des „Peterspfennigs“, einer traditionellen Abgabe an den Heiligen Stuhl, geschehen. Darüber hinaus gibt es innerhalb der Kirche viele andere Zuwendungsmöglichkeiten, wie z.B. an die mit Rom verbundene Priesterbruderschaft St. Petrus, die in Deutschland Seelsorgsaufgaben wahrnimmt und bislang keine Zuwendungen aus Kirchensteuermitteln erhält. Damit würden die Gläubigen auch can. 222 § 1 CIC gerecht, nach dem sie „verpflichtet [sind], für die Erfordernisse der Kirche Beiträge zu leisten, damit ihr die Mittel zur Verfügung stehen, die für den Gottesdienst, die Werke des Apostolats und der Caritas sowie für einen angemessenen Unterhalt der in ihrem Dienst Stehenden notwendig sind."

Ein ausdrücklich positives Signal hat nach Meinung des Initiativkreises inzwischen der schweizerische Diözesanbischof Vitus Huonder gesetzt. Im Bistum Chur ist - entsprechend dem römischen Schreiben - Kirchenaustritt nicht mehr gleich Kirchenaustritt. So kann ein sog. Kirchenaustritt durchaus konstruktiv sein, wenn damit objektiven liturgischen Missbräuchen, aber auch offen vertretenen Irrlehren von kirchlichen Mitarbeitern entgegen gewirkt werden kann.

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